Ein Beitrag von Gottfried Rotter & Österreichische Energieagentur

82% der 10,7Mrd Euro an jährlichen Energieimporten fallen noch immer auf Erdöl, Erdölprodukte und Erdgas. Statt vermehrt auf erneuerbare Energien zu setzten (da arbeitete ja die neue OIB-Richtlinie6 bewusst dagegen) sind die Erdölimporte 2017 sogar um 19% gestiegen!

Hier wird es Zeit, dass endlich auch die Bauordnungen an die Herausforderungen der Zukunft angepasst werden, anstatt veraltete Systeme weiterhin schön zu rechnen!

Ein wichtiger Hebel zur Verringerung von Energieimporten liegt in der Modernisierung der Heizsysteme und dem Ausbau der Elektromobilität!

„Der Raumwärmebereich krankt noch immer an einer Überdosis fossiler Energie, auch wenn der Anteil erneuerbarer Heizsysteme mittlerweile bei etwa einem Drittel des Energieverbrauchs liegt“, stellt Herbert Lechner, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, fest.

Auf genau 10,7 Mrd. Euro beliefen sich die Ausgaben für den Import von mineralischen Brennstoffen[1] in der österreichischen Außenhandelsstatistik für das Jahr 2017. Berücksichtigt man, dass auch Energie im Wert von 2,8 Mrd. Euro exportiert wurde, blieben noch immer Ausgaben für Nettoimporte von 7,9 Mrd. Euro. Energie machte 7 % der gesamten Warenimporte aus, bei den Exporten waren es 2 %.


Grafik 1: Kosten für Energieimporte, Einnahmen aus Energieexporten und Energieimporte netto in Mio. Euro
Berechnung Österreichische Energieagentur
Datenbasis (gilt für alle Grafiken in dieser Presseinformation): Die verwendeten Daten beruhen auf der Außenhandelsstatistik der Statistik Austria und den darauf aufbauenden Veröffentlichungen von Detailergebnissen im Rahmen der WKO-Statistik. Für 2017 wurden die vorläufigen Ergebnisse per März 2018 verwendet. Mit Juli 2018 hat die Statistik Austria zwar die endgültigen Ergebnisse für das Jahr 2017 publiziert, die Details der WKO-Statistik wurden aber noch nicht veröffentlicht. Da die endgültigen Daten der Statistik Austria von den vorläufigen Datensätzen nur zwischen 0,02 % bis 0,05 % abweichen, ist davon auszugehen, dass bereits die vorläufigen Daten eine valide Grundlage darstellen.

„Der Löwenanteil der 10,7 Mrd. Euro entfällt dabei auf die Einfuhr von Erdöl und Erdölprodukten mit 6,2 Mrd. Euro sowie den Erdgasimport im Umfang von 2,6 Mrd. Euro. Stellt man eine Netto-Betrachtung an, in der auch die Einnahmen aus Energieexporten berücksichtigt werden, beträgt der Anteil dieser Energieträger 88 %“, erläutert Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. Gegenüber 2016 lagen die Zahlungen für Erdölimporte im Jahr 2017 um 19 % und für Erdgasimporte um 11 % höher. In der Netto-Betrachtung ergab sich für Erdöl und Erdgas noch immer ein Kostenplus von 15 % bzw. 10 %. Das summierte sich für das Jahr 2017 auf Mehrausgaben von netto 0,8 Mrd. Euro. Für die Energieimporte insgesamt entstanden zusätzliche Kosten von netto 1,2 Mrd. Euro (+18 %).


Grafik 2: Anteil der Importkosten für Erdöl, Erdölprodukte und Erdgas an den gesamten Energieimporten in % (netto, d.h. Kosten für Importe abzüglich Einnahmen aus Exporten)

Erdöl teurer, mehr Erdgas importiert

Die Steigerung bei Erdöl und Erdölprodukten war jedoch kein Mengeneffekt: die Nettoimporte stiegen gegenüber 2016 nur um 0,6 %. Auch der Bruttoinlandsverbrauch dieser Energieträger veränderte sich mit +0,1 % ebenfalls nur geringfügig. Hier schlugen also die höheren Preise durch, was an Hand des Leitenergieträgers „Brent“ gut nachzuvollziehen ist – der Preis für diese Rohölsorte zog gegenüber dem Jahr 2016 um 24 % an. Ein anderes Bild zeigte sich bei Erdgas: hier nahm die netto importierte Menge mit 14 % stärker zu als ihr Wert (+10 %). Das zeigt zugleich, dass sich die Preisentwicklungen von Erdöl und Erdgas im Vergleich zu früheren Jahren weiter voneinander entkoppelt haben.

Die Importausgaben erreichten 2017 netto zwar nicht die Werte von 10 bis 13 Mrd. Euro der Hochpreisphase zwischen 2011 bis 2014. „Aber auch ein Abfluss von rund 8 Mrd. Euro ist im Hinblick auf die Kaufkraft keine Kleinigkeit“, weist Peter Traupmann auf die volkswirtschaftliche Dimension hin. „Vereinfacht ausgedrückt: Jede Österreicherin, jeder Österreicher – vom Säugling bis zum Greis – zahlte damit im Jahr 2017 1.000 Euro für Energieimporte.“ Für das Ergebnis der österreichischen Handelsbilanz insgesamt haben die Ausgaben jedenfalls maßgeblichen Einfluss. Diese wies im Jahr 2017 ein Defizit von 5,7 Mrd. Euro aus. Ohne die Kosten für den Import von Erdöl, Erdölprodukten und Erdgas (netto knapp 7 Mrd. Euro), hätte Österreich bereits einen Überschuss im Warenverkehr erzielt (siehe Grafik 3).

Ein weiterer Vergleich veranschaulicht die Dimension: Im Jahr 2017 lagen die Aufwendungen (netto) für den Energieimport in etwa auf dem Niveau des im Tourismus erwirtschafteten Überschusses (8,8 Mrd. Euro, entsprechend der Position „Reiseverkehr“ in der österreichischen Zahlungsbilanz).


Grafik 3: Auswirkung des Imports/Exports von Erdöl, Erdölprodukten und Erdgas auf die österreichische Handelsbilanz

Gebäudemodernisierung und fossilfreie Heizsysteme gegen Kaufkraftabfluss

Ein wichtiger Hebel zur Verringerung von Energieimporten liegt in der Modernisierung der Heizsysteme. „Der Raumwärmebereich krankt noch immer an einer Überdosis fossiler Energie, auch wenn der Anteil erneuerbarer Heizsysteme mittlerweile bei etwa einem Drittel des Energieverbrauchs liegt“, stellt Herbert Lechner, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, fest. „Die Klima- und Energiestrategie setzt hier auf die richtigen Medikamente: Den Energieverbrauch durch Gebäudemodernisierung senken und künftig nur mehr fossilfreie Heizsysteme einsetzen. Das bedeutet, aus Ölheizungen auszusteigen und Gasheizungen nur mehr mit grünem Gas zu betreiben. Investitionen in diesen Bereichen sind eine wirksame Medizin, um den Kaufkraftabfluss zu bekämpfen.“

Darüber hinaus ist die technologische Transformation des Verkehrssektors von großer Bedeutung: Denn der Verkehr ist nicht nur für mehr als ein Drittel des heimischen Endenergieverbrauchs verantwortlich, er ist auch größtenteils von Erdöl abhängig. Im Jahr 2015 verursachte dieser Sektor immerhin knapp 45 % der Treibhausgas-Emissionen in Österreich. Die Forcierung der E-Mobilität ‑ immer auf Basis erneuerbarer Energie ‑ wird daher eine wichtige Rolle spielen, um eine saubere und nachhaltige Energiezukunft zu erreichen.

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